Blog von Walter Lackermayr & dem Forum der WuidnBuam (und Madln natürlich auch)




Samstag, 22. August 2009

Aig. du Midi "Frendopfeiler"

Nachdem wir uns am Brevent warmgeklettert hatten wollten wir nun auf der anderen Seite was an den "richtigen Zapfen" etwas machen, eine Akklimitisationstour mußte her!
Der Frendopfeiler auf die Aiguille du Midi erschien uns geeignet dafür: Erstmal mit der Seilbahn hinauf zur Mittelstation, unter dem Pfeiler schlafen und am nächsten Tag hinauf. Guter Plan, sieht im Buch so aus (die linke Route) ... ... und in Echt so (die Pfeilerkante an der Licht/Schattengrenze links der Bildmitte, oben läuft der Pfeiler in den markanten Schneegrat aus, die Felsbastion darüber wird links oder rechts im Eis umgangen, wir haben den linken Ausstieg geplant): Also auf die Gäule und ab zur Midibahn. Mit all den anderen vergnügungssüchtigen Abenteuerreisenden warten wir auf die Bahn. Von der Mittelstation laufen wir eine Stunde hinüber und hinunter auf die Moräne, ein guter Biwiplatz ist schnell gefunden. Berni hat auch schon einen Berg entdeckt und klärt uns über die Route auf ("...alles Alpen!") Etwaige Meinungsverschiedenheiten über Routenverlauf, Berg oder Zustieg werden demokratisch ausdikutiert. Argumentation frei nach Charle Moser.
Während sich die Sonne langsam hinter de Berg obidraht....
...haben wir uns gemütlich eingerichtet...
... und verkriechen uns ins Hotel Daune...
...oder schauen einfach noch a bissal.
Beim Hellwerden des neuen Tages sind wir schon ein paar hundert Meter den Pfeiler hinauf....
.... die Kletterei ist so zwischen fest und nicht fest, im Großen und ganzen macht's aber schon Spaß.
Gegenüber die Aiguilles de Chamonix mit der Aig. Plan
Kletterei am Pfeiler
Zwischendrin zerschlägt uns ein Block das rote Seil a bissal, zum Glück konnte ihn vorher mein Schienbein etwas abbremsen, sonst wär das schöne Seil noch mehr ramponiert worde. Glück muß man eben auch mal haben!
Nach oben hin wird der Pfeiler immer steiler und das Klettern geiler!
Ein Blick nach oben verrät's: Es ist noch ne Menge Pfeiler übrig
Am Beginn des Schneegrates gebe ich die Führung nach 20 SL an Berni ab. Während er rechts vom Grat die ertse Länge vorgeht, löst sich aus der Felsbastion darüber eine zwei mal zwei Meter große Granitscheibe die ich gern als Tischplatte daheim gehabt hätte. Der überdimensionale Pfannkuchen rutsch in den Hang, stellt sich auf und rast wie irre hinunter, macht plötzlich eine Kurve, kommt wieder ein Stück hinauf, Jo und ich hechten schon in Deckung. Da überlegt er sich's doch wieder anders, macht einen Sprung 50 Meter waagrecht in die Luft hinaus und verschwindet unter uns in der Tiefe. Ein paar Sekunden später krachts dann laut und deutlich zum Zeichen daß das Teil als Tischplatte nicht mehr zu gebrauchen sein dürfte. Schade drum.
Wir wollten ja sowieso nochmal draußen schlafen und beschließen die Schußbahn etwaiger nachfolgender Einrichtungsgestände auf die kühleren Morgenstunden zu verschieben. Auf dem Kopf der letzten Turmes vor dem Schneegrat bietet sich ein wirklich idealer Biwiplatz: Völlig eben, Platz genug und nach drei Seiten gehts 1000 Meter runter, die vierte ist eben vom Grat zu betreten. Hotel Air de Deluxe.
Wir haben ne tolle Aussicht,... ...die Gäste der letzten Midibahnen auch, nämlich auf uns.
Wir genießen's mit gutem und viel (Jo besonders viel) Abendessen
Strahlendes Wetter am nächsten Morgen, nur wir sind zu faul zum Aufstehen und warten lieber auf die Sonne.
Lässt den Tag relaxt angehen: Jo
Unser Biwi Air de Luxe:
Die ersten Seilschaften am Midi-Plan-Grat
Also gut, irgendwann starten auch wir.
Eine nachfolgende Seilschaft ist früher aus ihrem Biwi weiter unten aufgestanden und kommt uns bedenklich nahe, wir haben schon Sorge daß die uns gleich fürchterlich verblasen werden!
Allerdings ist die Sorge unbegründet weil erstens die beiden Italiener im Eis nix drauf haben und zweitens wir sowieso schneller sind. Wer ko der ko, wer ned bleibt hinten.
Wirklich saugute Firn- und Eislängen!
Nach oben steilt's dann etwas auf...
Die Ausstiegswächte ist gleich zerhackt!
Hinten schaut die Prominenz raus: Der wahre Chef, Grand Jorasses mit Walkerpfeiler links im Profil. Hat schon was. Bleibt nur noch der Grat hinauf zur Midi-Seilbahnstation. Tourimässig aber knieschonend und ausserdem Mangels Alternative schweben wir mir der Gondel entlang unseres Aufstieges wieder zu Tal.
Unten gehts uns noch immer gut. Essen war mal wieder angesagt. Jo macht das eh gern. Ach ja, für ihn war's nicht nur seine Einstandstour in Chamonix sondern die erste vernünftige Hochtour überhaupt.
Facts Aig. du Midi "Frendopfeiler"
Schwierikeit: D+, Fels V+, Eis bis 82° (linker Ausstieg)
Länge: Ca 1.200 mtr, ca 20 SL je 60mtr Fels, 8 SL Eis
Absicherung: Wenn man auf der Route bleibt immer mal wieder Stände, sonst ist auch viel Eigeninitiative gefragt aber immer lässig. Einige Schlingen, 1 Satz Rocks, 2 mittl. und 2 kleine Friends, fürs Eis 6 Schrauben.
Zeit: Für Zweierseilschaft gut in einem Tag mit der ersten Bahn machbar, wenn bis UIAA IV seilfrei gegangen werden kann, Eis bis 50° seilfrei. Wir haben nur den unteren Teil seilfrei begangen und ab den Kaminen zur Gratkante hinauf durchgängig gesichert, dann nachmittags erhebliche Steinschlaggefahr im Eisteil, besser Biwi und in der Früh weiter.
Fazit: Unbedningt empfehlenswerte Tour.

1 Kommentar:

thomas hat gesagt…

Sevus Walter
du kennst doch die Story Don Qichote
und Schwalbenchwanz in Seilschaft in jeweils 4 Stunden. Kann ich noch topen mit Frendo-Pfeiler 2,5 Stunden,- solo
bis bald
Peter

grins