Blog von Walter Lackermayr & dem Forum der WuidnBuam (und Madln natürlich auch)




Freitag, 22. Juli 2011

Colodri "Zanzara"

Endlich wieder mal Arco, wir lassen's ziemlich ruhig angehen, mit Ausschlafen, CaffeeTrentino und nachmittags gschwind eine kleine Tour. Tyskiewicz, White Crack und Mescalito. Schon alles gute Routen, alles schon mal da gewesen, und es geht auch mit erfrorenen Füssen noch ganz gut.
Aber irgendwie muss noch was G'scheit's her, was Neues, das wir noch nicht kennen. Der Zanzara Pfeiler ist die erste Wahl. Soll ja recht knackig bewertet sein, und ob der reichlichen Begehungen des Klassikers auch schon recht benutzt. Mal schaun...
Von unten sieht das Teil schon mal steil und glatt aus. Wo? Einfach in der Bildmitte gerade hoch...
Die erste Seillänge ist mit 6a bewertet. Kam uns nicht so vor, vor allem rückblickend auf die Längen die weiter oben ebenso bewertet waren, aber sich als 'ne ganz andere Hausnummer rausstellten. Unser Vorschlag 5b, 25 mtr, 2 BH

Die zweite Länge startet noch ganz human.


Von oben betrachtet sieht man gut, es geht erstmal gemütlich über eine Platte richtung steil.


Und das wird's dann auch, und zwar ordentlich und noch dazu sind die Grifferl nicht so groß, aber dafür schon sehr benützt, um nicht zu sagen fatzenglatt poliert.

Da ist dann schon eher mal behertztes Hinlangen gefragt,

Zuballern nicht ausgeschlossen.
Und das soll 6b+ sein? Wir geben glatt 6c aus, 30 mtr., 7 angenehme BH

Die dritte Länge ist mit mit 7a+ angegeben. Wir sind gespannt. Ich guck mal.
Nach steilem Vorgeplänkel kommt ein ansteigender Linksquergang, wenige Griffe und noch weniger Tritte aber irgendwie schon saugut.
Von oben betrachtet offenbart sich's auch für den Nachsteiger als nicht ganz einfach.
Wir geben ebenfalls 7a+ aus, 30 mtr, 7 BH

Es folgt gleich wieder ein Quergang, diesmal nach rechts, lässt sich ganz gut an, es hat nette Schuppen,
 die dann dummerseise plötzlich ausgehen.

Mit Hilfe der 7 BH auf 18 mtr gibt Berni eine 6b/A0, ich frei eine strenge 7a aus.
Die fünfte Länge startet gerade in steiles Gemäuer, die Erstbegehr geben nochmals 7a aus. Gleich zu Beginn gibt's nen fiesen Aufrichter in glatter grauer Platte, es folgt steile und anstrengende Leistenkletterei in gelbrotem Fels, eisenfest und saugut.



Die Sonne knallt vormittags ziemlich auf den Pfeiler, am Stand ist's mir ordentlich warm. Die 7a haben wir als streng aber gerecht empfunden, 20 mtr mit 7 BH.
Bevor Berni in die Länge sechs startet genehmigen wir uns ne kleine Erfrischung. Zeitstress haben wir eh keinen, die tschechische Seilschaft vor uns ist auch nicht so schnell und auf ein Wettrennen mit Überholmanöver haben wir wenig Lust.

Berni startet, frisch gestärkt, die angegebene 6a kommt schon hin,
doch pötzlich wird's bissig und Berni muss richtig hinlangen. Wir geben 6b aus, 30 mtr, 7 BH. Die Länge führt auf die grosse Rampe.
Eine leichte Seillänge zum Ende der Rampe, und nicht wie im Topo beschrieben Stand am Baum, da war eh schon eine Seilschaft, die die Via Barbara unter die Sohlen genommen hatte, sondern an einem abstehenden Block noch wenige Meter hinauf zu Stand an geklebtem Ringhaken auf gemütlichem Absatz. 25 mtr, III und kurz 5b, 2 BH.

Von hier geht's weiter zum darüberliegenden Band, die Griffe sind hier sehr poliert und die Kletterei technisch anspruchsvoll. Die 6a der Erstbegeher können wir nicht nachvollziehen, unser Vorschlag für die 25 mtr 6b+, 7 BH
Vom Band gehts steil in die Platte darüber
Die Platte löst sich aber besser auf als es zunächst aussieht. Die vorgeschlagene 6b+ im Führer kam mir eher etwas leichter vor. 18 mtr, 7 BH.



Dafür ist die nächste 6b auch wirklich 6b, Berni legt statt on sight gleich mal 'n gscheiten Flug hin. Aha, da drüben wär 'n Griff gewesen. Jaja, Berni, wäre gewesen....

Den Stand nach der Länge gibt es nicht, es geht unter dem brüchigen Band gleich noch ein paar Meter nach rechts, die haben wiederum mit 6b nichts zu tun sondern sind 4.

Es folgt die vielleicht beste Länge des Pfeilers: Unten steil, dann filigranes Plattengetänzel und zum Schluss noch mal pumpig die letzten Meter zum Stand. Saugeil! 30 mtr. 9 BH, 6b+

Berni hat noch eine kurze rote Wandstelle 6a, dann legt sich's zurück und läuft im Vierergelände auf den Kopf des Pfeilers, insgesamt 45mtr mit 5BH.



So war's!

Freitag, 6. Mai 2011

Piz Palü "Spinaspfeiler" (Westpfeiler)

Rring..rring! Mittwoch Nachmittag im Büro, draussen scheint die Sonne, Rainer ist dran. Ob ich morgen Zeit hätte, er braucht für zwei Tage 'n Kletterpartner. Rring..rring, Anruf auf der zweiten Leitung. Rainer, gib mir fünf Minuten, ich ruf gleich zurück. Fünf Minuten später, wie ist der Plan? Spinaspfeiler, Donnerstag Nachmittag hin, Freitag wieder heim. Guter Plan, bin dabei!

Anderntags mittags starten wir, um drei sind wir am Parkplatz der Diavolezzabahn. Das Ganze fängt an sich zu einer kulinarischen Reise auszuweiten, nachdem wir auf der Fahrt schon brav Brezn, Salamisemmeln und Apfelschorle vom Plan "abgearbeitet" hatten beschließt Rainer das Programmangebot zu steigern. Guter Plan.



Dann konditionsuntauglich mit der Bahn auf die Diavolezza. Akklimatisiert bin ich eh nicht.


Auf der Terrasse gucken wir wie's am besten zu machen sei, mit dem Pfeiler.

 Irgendwie haben wir dieselben Ideen, es fällt also wenig Diskussionsstoff an, was uns mehr Gelegenheit bietet die Unterschiede der bayerischen (Parkplatz) und eidgenössischen (Terrasse) Hopfenkaltschalte zu ergründen.

Nicht dass jetzt ein falscher Eindruck entsteht, wir wissen schon dass wir nicht nur zum Trinken hergekommen sind!

 Es gibt ja schließlich auch noch was zu Essen....

Vorspeise,

Hauptgang...

und Nachtisch

Danach sind wir völlig platt.
Pfeiler?
What Pfeiler??

Nach hervorragender Nachtruhe und üppigem Frühstück stehen wir um sechs vor der Hütte und gehen die 250 HM über buckelpistenmässig eingefahrenes Gelände zum Gletscher runter. So langsam regt sich die erste Reue in mir. Wie soll ich da nachmittags wieder raufkommen, diese miesen 250 Höhenmeter? Mit dem Bauch?
Hab ich schon erwähnt dass es viel zu Essen gab?

Egal, jetzt zum Pfeiler hinüber und nauf. Das Gelände ist gutmütig, nix mit mühsam Spuren. Der Bergschrund erweist sich als harmlos und auch das darüberliegende Firnfeld bringt nicht die befürchtete Wühlerei.

Eine perfekte Firn- und Eisrinne bringt uns rechts der Pfeilerkante schnell höher, saugeil.
Schon früh können wir so die Pfeilerkante erreichen.


Gut für ne kleine Pause. Schließlich muss man ja auch mal was Essen. Riegel in der Tasche?


Ich rauch noch eine, Rainer macht sich über Kombigelände davon.


Wir erreichen so den rechten Rand der großen Eisflanke zwischen Bumiller- und Spinaspfeiler.


Anfangs etwas mühsam weil viel Schnee wirds nach oben unter dünner Schneeuaflage zunehmend blank.



So entschliessen wir uns für die letzten zwei Eislängen das Seil rauszuholen. Besser ist besser.
Noch drei Längen Kombi an der nicht so sehr festen Pfeilerkante...
...und schon sind wir oben. Cool. Esspause.

Der Grat vom Piz Spinas (Piz Palü Westgipfel) hinüber zum Hauptgipfel ist nochmal interessant und macht richtig Spaß. Haha, weil's nicht mehr bergauf geht.

Nach zwei kurzen Gegenanstiegen gibts am Ostgipfel endlich den verdienten Mittagsriegel.

Und weg...

Die 250 Meter zur Diavolezza hinauf waren übrigens garnicht so schlimm. Weil wir uns in weiser Voraussicht vorher nochmal gestärkt hatten.

In der Panoramascheibe nochmal das Tagwerk abgelichtet, das war's.